Imke Elliesen-Kliefoth
Bergauf beschleunigen

Gespräche über Gelingen und Erfolg
Odeon 26
2009. 496 Seiten mit farbigen Abbildungen.

EUR (D) 22.95 /
CHF 39.90 (UVP) /
EUR (A) 23.60
ISBN 9783250300267

»Dieser Band ist eine Fundgrube.« Richard Kämmerlings, FAZ

Siebzehn hochkarätige Gespräche über Gelingen und Erfolg in der Kunst

Künstler bestimmen die Qualität einer Gesellschaft. Dafür benötigen sie das Interesse einer möglichst breiten Öffentlichkeit – ein komplexer Vorgang gegenseitiger Durchdringung, der oft viel Zeit braucht. Unsere Gesellschaft will sich Kunst aber nur noch leisten, wenn unmittelbar Erfolg sichtbar wird. Das Kulturkarussell dreht sich also immer schneller: Verlage, Galeristen, Kulturinstitute jeglicher Ausrichtung und nicht zuletzt die Medien werden zu ihren eigenen Antreibern. Eine Gesellschaft sägt an dem Ast, der sie trägt.
Da kommt die Frage: Was hat Erfolg eigentlich mit Kunst zu tun? einer Vollbremsung gleich. Imke Elliesen-Kliefoth hat siebzehn hochkarätige Gespräche mit Künstlern, Musikern, Schriftstellern und anderen wichtigen Persönlichkeiten des künstlerischen Lebens geführt und uns so das Vergnügen verschafft, das Thema Erfolg aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten.

Inhaltsverzeichnis
PROSA, ESSAY UND DRAMA:
Jenny Erpenbeck Autorin
»Ich denke einfach nur ans Schreiben«
Zeit zum Schreiben und Ruhe zum Denken • Eine Shortlist ist wie der Strichcode auf Waren • Leute, die für einen sind, bekommt man nicht geschenkt • Qualität pflanzt sich nicht genetisch fort • »Den« Leser gibt es nicht • Schreiben hat eine stark erotische Komponente •Wenn man sich nichts ausdenkt, hat man auch nichts • Ich will nicht in einer Ecke sitzen und ganz tolle Kunst machen • Verglichen werden Bücher, nicht Menschen • Wenn man in diesem Beruf scheitert, scheitert man immer öffentlich

Reinhard Jirgl Autor
»Freiheit hört auf, wo der Gerichtsvollzieher sein Tun beginnt«
Das Dilemma mit der Zeit • Inzestuöse Zusammenkünfte und Gruppen-Verwertmaschinen • Leben ohne zu schreiben ist sterbenslangweilig • Denken entzieht sich der Plan - wirtschaft • Es gibt kein literaturuntaugliches Material • Literatur ist das Schaffen einer »Gegen-Natur« • Für Freiheit − im Leben wie im Lesen − muß man etwas tun •Was der eine Kritiker verwirft, lobt ein anderer • Glück muß man sich selbst erfinden • Der Unterschied zwischen Buch und Waschpulver • Positive Einsamkeit • Diktatur der Oberfläche • Multi plikationseffekte und Hybris der Personengestaltung • Schutzschilder und der Angriff auf das Bestehende • Es wird niemals »freie«, »interesselose« Kunstarbeit geben

Ulrich Peltzer Autor
»Natürlich hat Erfolg etwas mit Glück zu tun«
Ein »uneigentliches« Projekt • Der Autor − eingespeist in die Betriebsmaschine • Malraux’ Mißverständnis • Das sogenannte »gute Buch« • Sich verschalten mit der Realität • Macht Erfolg glücklich? • Bestseller oder das Beste? • Bücher als Resonanzraum • Der Ort von Literatur • Schreiben hat etwas Asoziales

Peter Weber Autor
»Scheitern und Gelingen sind benachbart«
Von Wattwil nach Zürich • Isolationsbegabt und dämmerungsaktiv • »Wirtliche« und »unwirtliche« Öffentlichkeit • »Marktbrave« und Kunst-Parolen • Erfolg gleicht einem seltsamen Parfüm • Geltungsdrang ist ein Zweikopfler • Die Anstrengung, immer im Mittelpunkt zu stehen • Die Literatur als Flüsterbranche • Der Freischaffende als Gemischtwarenhandlung

NEUE MUSIK UND AVANTGARDE-JAZZ:
Adriana Hölszky Komponistin
»Glück ist etwas Existentielles, und Erfolg ist nicht existentiell«
Von Bukarest nach Stuttgart • Das eigentliche Leben ist die Komposition • Das Glück, zum Vorschein zu kommen • Sättigung und allgemeine Apathie • Routine-Werke und die Selbstgefälligkeit der Freiberuflichen • Die Gefahr des bürokratischen Erfolgs • Kunst braucht geistige Freiheit • Risiko und Entmündigung • Männlicher und weiblicher Musikbetrieb • Wenn Künstler abhängig sind vom Betrieb, kommt es zur Selbstzensur • Von »gefällig« bis »provokant« • Die Kräfte der Komposition liegen im Leben, nicht auf dem Schreibtisch • Ein Kunstwerk ist keine Eintagsfliege

Dieter Schnebel Komponist
»Eindrucksvolle Dinge machen. Starke Dinge«
Rock-artige Beifallszenen oder Aufführungen im Freundeskreis • Der Jahrmarkt der Neuen Musik • Denkmal ohne Kritik • Klavierunterricht als bürgerliches Programm • Die Einsamkeit am Klavier • Eine verschworene Gruppe • Das Radio als Hauptverteiler • Kämpfer für das Neue • Skandale und Schönbergs Wiederholungsverbot • In der Sache beeindrucken • Grenzen des Experimentellen •Menhire im Schatten • In Schlangenlinien zwischen gefällig und ungefällig

Irène Schweizer Jazzpianistin
»Es wird dann fertig sein, wenn ich nicht mehr spielen kann«
Der Wunsch, Jazz zu spielen • Wir waren immer eine Gemeinschaft • Keine Kompromisse • Von der Musik elektrisiert • Freies Spielen als Risiko • Sich als Frau durchsetzen • Es gibt keine Pioniere mehr • Durch Förderung bequem? • Der Preis des Erfolgs • Musikalische Leidenschaft, verbunden mit den Fähigkeiten einer Sekretärin

Michael Wertmüller Komponist und Schlagzeuger
»Man muß bergauf beschleunigen«
Einheit der Gegensätze • Ein Arbeiter, wie Millionen andere auch • Außenseiter und Komponisten-Bubis • Scheitern? Nur an den Ansprüchen des Kapitalismus • Anerkennung als Motor • Vierviertelhirne hinterm Gartenzaun • Das Neue ist eine Konsequenz meines Tuns • Risiko vermindert die Chance auf Erfolg • Künstler im klassischen Sinn gibt es nicht mehr

MALEREI, VIDEOKUNST, PERFORMANCE UND FOTOGRAFIE:
Markus Lüpertz Maler
»Seiltänzer sind schwindelfrei«

Jonathan Meese Maler und Performancekünstler
»Erfolg ist der Dienst an der Sache – Totale Demut«
Besucherstätten und Schutzräume • Die Kunstameise Jonathan Meese • Die Sache muß regieren • Der Künstler ist nicht wichtig, die Kunst ist wichtig • Frustration und Belohnung •Das mickrige Bild vom Künstlergenie • Spielen wie ein Kind • Der Ich-Virus • Spielstätten schaffen • Fließbandarbeit am Leben • Kunst ist niemals skandalös

Albert Oehlen Maler
»Erfolg ist, wenn man durch seine Ideen und durch seine Arbeit Macht ausübt«
Revolutionär ohne Berufswunsch • Die Langweiligen und die Widerspenstigen • Die Malerei in Frage stellen • Formale Provokationen und Pawlowsche Hunde • Erfolg verhindern • Arm, aber berühmt? • Reich, aber verachtet? • Power-Pop-Punk-Jugendlichkeit und Pinselschwingen sind unattraktiv • Der Künstler als Schachfigur • Konservative Ecken und autonome Künstler

Isolde Ohlbaum Fotografin
»Es gibt mehr Sehende, als man annimmt«
Ich wollte nie ein Fotoatelier aufmachen •Was stellen Männer ihren Frauen aufs Grab? • Ein Kuchen und viele Sehende • Die Neugierde, sich auszuprobieren • Ich bin kein Paßbild-Automat • Die totale Identifizierung des Textes mit dem Autor • Veruschka von Lehndorff und das Auswahlprinzip • Selbststilisierung sagt auch etwas aus • Ein Traumberuf als Versteck • Das ist Kunst, und das ist keine Kunst • Das Porträt als Poesie oder narzißtische Beleidigung

Pipilotti Rist Audiovisuelle Künstlerin und Regisseurin
»Kunst muß das Herz streicheln, wie Blut um die Ohren zischen«
Der Wunsch, die Sinnfrage auf der Molekülebene zu lösen •Wer will schon wie die Kuh seines Großvaters heißen? • Gefahren des Profi-Schlamms und Vorteile eines eigenen Werkzeugkastens • Das Glück, keine Wertanlage zu sein • Erfolg hat, wer die Post beantwortet • Trotz reuelosen Publikumserfolgs ungestraft davongekommen • Pop paßt gut zu Pipi • Die Schizophrenie des Erfolgs • Mundpropaganda und Demut • Sich den Bauch streicheln und das Nichts ausstellen • Die Verschwörung der Machiavelli-Künstlergruppen • Eine schwülstige Glocke von Vorurteilen •Wer sich das eigene Fleisch herausschneidet, dem glaubt man • Der Absturz der Banker und der Aufstieg der Künstler

Amelie von Wulffen Malerin
»Die Leute wollen Werke und Genies«
Zwischen riesiger Aufmerksamkeit und plötzlicher Stille • Es ist wichtig, daß gesehen wird, was man tut • Das rauhe Klima des Erfolgs • Die gewaltigen Nebengeräusche des Kunstbetriebs • Als Künstler kann man alles sein • Künstler sind dauernd neidisch aufeinander und sollten es am besten auch zugeben • Agitprop und Noppenfolienkünstler • Das Publikum ist nicht dümmer als man selbst • Der Markt will von einem Bild immer alles • Einer Frau wird malerische Genialität nicht zugetraut • Künstler-Orakel und Galeristen-Diven

PUBLIZISTIK KRITIK UND POLITIK:
Diedrich Diederichsen Kritiker
»Die Idee vom kompromißlosen Künstler ist Kitsch«
Der Schlag auf die Schulter • Milieuspezifisches Urteilen • Werkspezifisches Urteilen • Charisma-Monster und Bürokraten •Wahre Kunst und Ware Kunst • Russische Oligarchen und symbolisches Kapital • Multipolare Kunst • Performance-Prekariat • Elektrizität des Kontakts und ungeschminkte Ausbeutung

Thomas Wagner Kunstkritiker und Autor
»Erfolg ist eine Art kapitalistische Schwundstufe von Ruhm und Glück«
Die zwei Stiefel des Erfolgs • Zahnarztpraxenkunst und Sammler an vorderster Front • Der Künstler als Springbrunnen • Das Recht auf Faulheit • Kategorienfehler und Scheinvorgänge • Freiheit der Kritik oder Aufmerksamkeitsökonomie? • Die große Chance des Nicht-Verstehens • Schöner scheitern • Subversive Strategien und positive Anpassung

Christina Weiss Kulturpolitikerin und Publizistin
»Freiräume offenhalten«
Der kompromißlose Künstler und sein Marktwert • Hype und Vergessen • Der Sprung über die eigene Grenze • Der wahre Künstler und die Kapitalisierung • Event oder Gegenkultur • Selbstreproduktion und Künstlerpersönlichkeiten • Eine Künstlerrente ist ein Widerspruch zur künstlerischen Produktion • Kunst braucht Bildung • Die Suche nach dem Ungewöhnlichen • Exzentrisch, aber marktbewußt